Freitag, 22. April 2011

Ich moechte euch gerne von einer einmaligen Erfahrung berichten, die ich in den letzten Tagen erlebt habe, eine Reise, von der ich heute morgen zurueck gekommen bin.
Letzten Sonntag bin ich zusammen mit meiner Freundin Annie nach Puerto Maldonado gefahren, eine Stadt, die ca. 10 Stunden Busfahrt von Cusco im Dschungel liegt. Dort ist man schon fast an der bolivianischen und brasilianischen Grenze. Wir sind ueber Nacht gefahren und als wir ankamen, haben wir sofort die Hitze und die feuchte Luft gespuert. Die Stadt ist nicht winzig klein, aber auch nicht allzu gross und recht sympathisch. Sie hat mich ein bisschen an Santa Cruz erinnert, mir aber mehr gefallen. Die Leute laufen in T-Shirt und Shorts herum, sind sehr freundlich und die Sonne brennt vom Himmel. Wir haben uns jedoch schnell an das andere Klima gewoehnt und es sehr genossen, es war einfach ein herrliches Sommergefuehl, das tollste war dass es abends nicht kalt wird.
In einem Gaestebuch in unserem Hostal in Cusco habe ich mehrere Eintraege von Leuten entdeckt, die fuer ein paar Tage bei einer Familie gewohnt haben, die in der Naehe von Puerto Maldonado lebt. Ich habe sie also angerufen und wir haben uns am Abend mit Javier getroffen, dem Vater der Familie, um alles zu besprechen. Er lies uns wissen, dass er uns am naechsten morgen um 5 bei unserem Hostal abholen wuerde. Wir wuerden zwei Naechte bei der Familie verbringen.
Am naechsten morgen sind wir mit dem Boot raus auf den Fluss gefahren und haben beobachtet, wie die Papageie gefruehstueckt haben. Dann sind wir zu dem Haus der Familie gefahren. Es war wunderschoen, auf dem Fluss zu fahren, in einer voellig anderen Welt. Dort angekommen begruessten wir Javiers Frau, Ulla, die aus Deutschland kommt. Vor ca 5 Jahren hat sie von Javiers Lebenweise erfahren, ihn besucht und beschlossen zu bleiben. Sie hat also alles in Deutschland zurueckgelassen, sehr beeindruckend! Die beiden haben zwei kleine Kinder, Alida (4) und Kalian (2), total suess und fuer ihr Alter schon sehr weit!
Die Familie lebt mitten im Dschungel, am Fluss, umgeben von hohen Baeumen, die ihrem Grundstueck viel Schatten spenden. Sie haben einige Huetten, die erhoeht gebaut sind, darunter mehrere Gaestehuetten, eine Esshuette, eine Kuechenhuette und natuerlich eine Huette, wo sie selber schlafen. Diese sind wild umwachsen von Baeumen und Straeuchern, durch die vereinzelt das Licht der Sonne faellt. Sie haben ein grosses Grundstueck, was Javier uns gezeigt hat, und besitzen eine unglaubliche Vielfalt von Pflanzen. Sie bauen selber an und nutzen ueberwiegend, was die Natur ihnen gibt. Wir haben Bananen, Apfelsinen, Mangos und alle moeglichen anderen Fruechte probiert. Auch Kakao, Kaffee, natuerliches Viagra und Anaesthetikum wachsen auf ihrem Grundstueck. Ulla hat unheimlich toll fuer uns gekocht, gebackene Bananen, selbstgemachten Kakao (lecker und tausend Mal besser als jeder andere!!), Yuka und selbstgebackene Broetchen aus einem grossen Ofen, unter dem sie ein Feuer entzuenden. Es gibt keine Elekrizitaet und kein fliessendes Wasser, trotzdem fuehlte ich mich dort wohl und komfortabel, alles ist so natuerlich. Das Leben scheint auf diese Art so einfach und natuerlich, die Familie ist fast immer zusammen und es ist toll zu sehen, wie viel Zeit die Eltern mit ihren Kindern verbringen und wie viel Aufmerksamkeit sie ihnen widmen.
Die Kinder wachsen zweisprachig auf, sprechen aber mehr deutsch als spanisch und haben auch viele deutsche Kinderbuecher. Ich hab sie mit ihnen angeguckt und mit ihnen Lieder gesungen, die ich noch aus meiner Kindheit kenne, das war sehr schoen. Es war also zugleich etwas neues, aber auch altbekanntes. Am zweiten Tag haben wir Javiers Freund besucht, der auf der anderen Seite des Flusses ganz alleine lebt. Zuerst mussten wir ca. 1 1/2 Stunden durch den Dschungel laufen, immer wieder durch riesige Wasserpfuetzen, bis wir schliesslich zu seinem Grundstueck kamen. Er lebt noch einfacher als die Familie, schlaeft auf einer Ablage die ueberdacht ist, er ist also staendig draussen. Er hat ein grosses Schwein als Gesellschaft. Ich finde es beeindruckend, dass er ganz alleine da draussen lebt. Javier meinte,er lebt gluecklich, aber ich frage mich, ob er sich nicht oft auch einsam fuehlt. Er lebt direkt an einem kleinen Fluss, wo man schwimmen kann. Ich bin natuerlich sofort reingesprungen, und die Maenner meinten zu mir, ich sollte auf die Zitteraale und die Stachelrochen aufpassen, aber zum Glueck waren keine in der Naehe. Alida war auch mit und wir haben im Fluss gespielt, was sehr viel Spass gemacht hat. Die Maenner haben in der Zeit geangelt und hinterher gab es Fisch zum Mittagessen.
Diese natuerliche Lebensweise hat mich sehr fasziniert und beeindruckt, diese Familie schien so harmonisch, so mit sich selbst im Einklang zu sein. Es hat mich sehr zum Nachdenken gebracht darueber, wie wir unser Leben fuehren, wie viel Stress wir uns oft bereiten und wie ungesund wir teilweise leben, im Sinne von sowohl Koerper als auch Geist. Es fiel schwer, diesen magischen Ort wieder zu verlassen und in die Stadt zurueckzukehren, doch ich bin sehr froh, dass ich dies miterleben durfte, wenn es auch kurz war, und moechte auf jeden Fall frueher oder spaeter wieder in den Dschungel, vielleicht fuer ein bisschen laenger.
Ich hoffe, ihr habt ein schoenes Osterwochenende, liebste Gruesse an alle!

2 Kommentare:

  1. Laura,

    ich wünsche Dir auch ein schönes und gesegnetes Osterfest. Hier in Ilmenau haben wir heute bei super warmen Temperaturen einen Spaziergang mit kurzen besinnlichen Oster-Impulsen.

    Danke, dass Du deine Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen hier schreibst. Es ist sehr schön wie sich die Phantasie beim Lesen die Bilder ausmalt von denen Du berichtest. Dies ist manchmal mehr wert als 1000 Fotos.

    Tobias

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  2. Hallo Laura,
    erstmal wünsche ich Dir frohe Ostern. Danke für die tollen Berichte, mit denen Du uns an Deinen Abenteuern teilhaben lässt. Bei Deinem Bericht über den "Ausflug" in den Dschungel stockt mir schon manchmal der Atem; aber es ist wirklich eine Wunderwelt, die Du beschreibst und ich kann mich da nur Tobias Kommentar anschließen. Ich denke viel an Dich und hoffe, es geht Dir nach wie vor gut. Sei umarmt! Liebe Grüße Deinen Angelika

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